Rating-Agenturen drohen USA mit Abstufung
Die Kritik an den Rating-Agenturen wird in letzter Zeit wieder lauter. Einer der Vorwürfe lautet, dass europäische Staaten mit fallenden Ratings unter Druck gesetzt werden während gleichzeitig die USA weiterhin ein Top-Rating behält.
Längst bekannt ist, dass die USA im Vergleich zu den meisten Staaten der Eurozone – mit Ausnahme von Griechenland – einen sehr hohen Schuldenstand hat. Höchst problematisch ist außerdem, dass die USA eine gesetzlich verankerte Schuldenobergrenze hat. Falls diese nicht rechtzeitig aufgehoben ist, droht den USA die sofortige Zahlungsunfähigkeit. Doch im politischen Hickhack zwischen der Obama-Regierung und den Republikanern wurde bisher keine Einigung erzielt. Das Szenario einer US-Zahlungsunfähigkeit ist daher noch nicht abgewendet.
Das die Rating-Agenturen dennoch weiterhin ein Top-Rating an die USA ausstellen, gibt Anlass zur Kritik. Den Agenturen wird unterstellt, dass sie vor allem Interessen der USA vertreten würden – immerhin haben sie alle eben dort ihren Hauptsitz.
Tatsächlich gibt es zumindest einen Grund, warum die Situation in den USA anders ist als in manchen europäischen Staaten. Die USA sind vor allem in der eigenen Währung verschuldet – und sie bräuchten nur zusätzliches Geld drucken lassen, um die Schulden zu tilgen – auch wenn dies eine höhere Inflation bedeuten würde. Staaten wie Griechenland haben diese Möglichkeit seit dem Beitritt zum Euro nicht mehr.
Doch in den USA ist dennoch nicht alles eitel Wonne. Wegen der eben noch nicht erzielten Einigung rund um die Schuldenobergrenze drohen jetzt erstmals die großen Rating-Agenturen mit einer Abstufung. Offene Drohungen gab es in den letzten Tagen vor allem von Moody's, aber auch die nicht ganz unbedeutende chinesische Rating-Agentur Dagong äußerte sich in ähnlicher Weise. Im Moment kann die USA aber – ganz im Gegensatz zu Griechenland – noch aus eigener Kraft den Kopf aus der sprichwörtlichen Schlinge ziehen.
